Nach der operativen Entfernung von Haut- oder Lymphknotenmetastasen eines schwarzen Hautkrebses (Melanom) werden im Allgemeinen vorbeugende (adjuvante) Therapien verabreicht. Bis heute hat in Europa nur die Interferon-Therapie eine Zulassung hierfür erhalten. Sie verbessert das rezidivfreie Überleben, das heißt die Zeit von der vollständigen Entfernung aller Tumoren bis zur ersten neuen Metastase, aber nur um ca. 10 bis 20 Prozent. Das Gesamtüberleben wurde durch diese Therapie nur marginal beeinflusst.

Der Studienleiter und Vortragende in Madrid, Prof. Dr. Axel Hauschild, Oberarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, berichtet dabei über eine Verdoppelung der rezidivfreien Überlebenszeit und eine Verdoppelung der Gesamtüberlebenszeit bei 870 Studien-Patienten, die mit Dabrafenib und Trametinib behandelt wurden im Vergleich zu einer Placebo-Therapie. Die Therapiedauer betrug zwölf Monate, die Nachbeobachtungszeit 2,8 Jahre. In allen untersuchten Untergruppen dieser Studie zeigten sich deutliche Vorteile für die mit der Kombinationstherapie behandelten Patienten.

„Dies sind die besten Resultate, die wir jemals in der adjuvanten Therapie des fortgeschrittenen Melanoms in den vergangenen 40 Jahren gesehen haben“, sagt Prof. Hauschild in der ESMO-Pressekonferenz. „Sie übertreffen sogar meine hohen persönlichen Erwartungen im Vorfeld der Veröffentlichung dieser Studie.“ Mit großer Wahrscheinlichkeit würden sie zu einer raschen Zulassung dieser Präparatekombination nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in anderen Ländern führen und damit rasch die bis dato etablierte Interferon-Therapie ablösen, so der Hautkrebsexperte.

Die Verträglichkeit der Kombinationstherapie entspricht der Behandlung von Patienten mit fernmetastasiertem Melanom, das nicht mehr operiert werden kann. Für diese Indikation wurde bereits vor drei Jahren eine Zulassung der Kombination aus Dabrafenib und Trametinib in Europa ausgesprochen. „Etwa 40 Prozent aller Melanompatienten tragen eine sogenannte BRAF-Mutation und sind damit Kandidaten für eine effiziente vorbeugende Therapie, sofern bei ihnen Tochtergeschwülste in der Haut oder den Lymphknoten aufgetreten sind“, erläutert Prof. Hauschild in seinen ausführenden Worten zum neuen Therapiestandard.

Originalpublikation:
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1708539

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Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Prof. Dr. Hauschild
Tel.: 0431 500-21131, E-Mail: axel.hauschild@uksh.de

idw 2017/09