DGHO-Roadmap. Im Rahmen der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ will die Bundesregierung die Krebsforschung in Deutschland stärken. Doch was sind derzeit die Forschungsprioritäten in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie? Im Rahmen ihrer Frühjahrstagung vom 13. bis 14. März 2019 in Berlin hat die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. auf einer Pressekonferenz ihre „Roadmap 2019 für die Erforschung von Krebs- und Bluterkrankungen in Deutschland“ vorgestellt. Die von Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitete Roadmap identifiziert die wichtigsten Herausforderungen der nächsten zehn Jahre und gibt überdies konkrete Empfehlungen, wie durch eine strategische Wissenschaftsförderung der Anschluss der hämatologischen und onkologischen Forschung an die Weltspitze sichergestellt werden kann.

Auf dem Gebiet der Krebs- und Bluterkrankungen findet derzeit ein extrem rasanter Fortschritt statt, der in der Geschichte der Medizin ohne Parallele ist. Durch die zunehmende Übersetzung molekularbiologisch gewonnener Erkenntnisse in den Behandlungsalltag verändert sich dieses Gebiet der Medizin permanent und sehr schnell. Die Molekulargenetik ist zum festen Bestandteil der Diagnostik geworden. Gleichzeitig können immer mehr Krebserkrankungen mit gezielt wirksamen Inhibitoren behandelt werden. Auch bei den Bluterkrankungen, beispielsweise der Sichelzellanämie und den Hämophilien, finden derzeit sehr dynamische Entwicklungen statt. Die ersten Gentherapie-Konzepte werden erfolgreich für Patientinnen und Patienten mit Hämophilie angewandt.

DGHO-Roadmap

Prof. Dr. med. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Inneren Medizin I – Onkologie, Hämatologie, Klinische Infektiologie, Klinische Immunologie, Hämostaseologie, Internistische Intensivmedizin an der Universitätsklinik Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn, erläutert die Motivation, aus der heraus die DGHO-Roadmap entstanden ist: „Noch nie in der Geschichte unseres Fachgebiets stand uns ein so vielfältiges diagnostisches und therapeutisches Wissen zur Verfügung. Wenn wir dieses komplexe Instrumentarium bei unserem Tun als forschende und behandelnde Ärztinnen und Ärzte stets klug einsetzen, haben wir die reelle Chance, viele Blut- und Krebserkrankungen zu beherrschen.“

Mit Blick auf den drängenden Nachholbedarf des Forschungsstandorts Deutschland erklärt Hallek: „Die meisten für die erzielten therapeutischen Fortschritte notwendigen Entwicklungen fanden zu unserem größten Bedauern außerhalb Deutschlands, vor allem in den USA, statt. Diesem Trend müssen wir aktiv begegnen. Mit unserer Roadmap machen wir sehr detaillierte Vorschläge, wie die Bundesrepublik Deutschland wieder eine der führenden Wissenschaftsnationen auf unserem Gebiet werden kann. Dafür müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um international nicht den Anschluss zu verlieren. Andernfalls müssten wir Innovationen beispielsweise in Form kostenintensiver Medikamentenimporte oder Datenmanagement-Konzepte teuer bezahlen.“

Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer, Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, unterstreicht die Besonderheit des Fachgebiets: „Bei der Hämatologie und Medizinischen Onkologie handelt es sich um eine sehr breite und extrem innovative Fachdisziplin. Das wird unter anderem an dem ausgedehnten Themenportfolio der in unserer Roadmap enthaltenen Forschungsprioritäten deutlich.“

Die in der Roadmap der DGHO identifizierten Forschungsprioritäten liegen in den Bereichen:

  • Prävention und frühzeitige Diagnose von Krebserkrankungen, einschließlich der Evaluation in der Versorgungsforschung
  • „Genomic Profiling“ und „Big Data“
  • Immunologische Behandlung von Krebserkrankungen
  • Infektionen bei Krebspatientinnen und -patienten
  • Stammzellbiologie und Hämatopoese: Reprogrammierung von adulten Stammzellen und differenzierenden Stammzellen für Gewebeersatztherapien
  • Genome Editing und Gentherapie: Neue Möglichkeiten zur therapeutischen Korrektur von vererbten Bluterkrankungen
  • Epigenetische Mechanismen: Neue therapeutische Targets für Krebs- und Bluterkrankungen
  • Venöse Thromboembolien
  •  Hämorrhagische Diathesen
  • Intensivmedizinische Versorgung onkologischer Patientinnen und Patienten
  • Supportive care and end of life questions
  • Allgemeine Forschungsdesiderate und strukturelle Voraussetzungen

Die Kurzfassung der „Roadmap 2019 für die Erforschung von Krebs- und Bluterkrankungen in Deutschland“ kann im Internet heruntergeladen werden unter: https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/klinische-forschung/forschungs-roadmap/dgho_forschungs-roadmap_20190313.pdf

Über die DGHO

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.400 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie. Zentrale Veranstaltung für den wissenschaftlichen Austausch ist die Jahrestagung mit über 5.000 Teilnehmern, gemeinsam veranstaltet mit der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) und der Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie (SGH+SSH).

Ausführliche Informationen unter: www.dgho.de