Förderung der Neurowissenschaft

Förderung der Neurowissenschaft

Neurowissenschaft. Forschungsförderung auf dem Gebiet der Neurowissenschaften ist Ziel und Aufgabe der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. Aus diesem Grund vergibt die Hilfeorganisation für schädelhirnverletzte Unfallopfer seit 1993 im zweijährigen Rhythmus den mit 10.000 Euro dotierten Hannelore Kohl Förderpreis. Anlässlich ihres 35-jährigen Gründungsjubiläums im Jahr 2018 wurden ergänzend zwei Doktorandenstipendien in Höhe von je 10.000 Euro ausgeschrieben. Preisträgerin des Hannelore Kohl Förderpreises 2018 ist Luise Woost aus Hamburg, mit den Stipendien werden die Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen Lisa Neumayr und Rida Rehmann gefördert.

Neurowissenschaft im Fokus

Überreicht wurden die Auszeichnungen am 1. März durch Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Dusel ist seit vielen Jahren in der bundesdeutschen Behindertenpolitik aktiv und hat als Experte auch maßgeblich die Erarbeitung des Bundesteilhabegesetzes begleitet. Den feierlichen Rahmen bot der 13. Nachsorgekongress der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration nach Schädelhirnverletzung“, der mit 350 Teilnehmenden im marinaforum Regensburg stattfand. An dem zweitägigen, interdisziplinären Kongress nahmen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin und Rehabilitation teil, er war zugleich Anlaufpunkt für schädelhirnverletzte Menschen und Vertreter von Selbsthilfeorganisationen. Schwerpunktthema des diesjährigen Austauschs war die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und die Erfahrungen nach der Einführung der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung in Deutschland.

Hannelore Kohl Förderpreis

Mit ihrem Preis für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördert die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung seit 1993 die neurorehabilitative Forschung in Deutschland. Diesjährige Preisträgerin ist die Diplom-Psychologin Luise Woost.

Die in Leipzig am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (Abteilung Neurologie) entstandene Forschungsarbeit trägt den Titel „Physical Exercise and Spatial Training: A Longitudinal Study of Effects on Cognition, Growth Factors, and Hippocampal Plasticity“. Im Rahmen der Längsschnittstudie ergründete Woost gemeinsam mit Kollegen, ob sportliche Aktivität bei jungen Erwachsenen die Effekte eines anschließenden kognitiv-räumlichen Trainings verstärkt. Dazu wurde ein multimodaler Forschungsansatz gewählt. Das Ergebnis: Nachweisbar konnten die Studienteilnehmer Fortschritte in den Trainingsverfahren erzielen, Hinweise auf einen Vorteil im kognitiv-räumlichen Training nach der sportlichen Aktivität fanden sich jedoch nicht.

„Durch die Untersuchung von Plastizität, d.h. der Eigenschaft einzelner Synapsen, Nervenzellen und ganzer Gehirnareale, sich in Abhängigkeit von ihrer Nutzung zu verändern, liefert die Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Anwendung und Weiterentwicklung körperlicher und kognitiver Therapieansätze nach erworbener Hirnschädigung im klinisch-rehabilitativen Kontext“, betonte Dr. Stefan Zimmer, Vizepräsident der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung in seiner Laudatio.

Mit dem Hannelore Kohl Förderpreis werden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert, die sich mit der Erforschung, Entwicklung und Erprobung von diagnostischen und therapeutischen Verfahren in der Neurorehabilitation Schädelhirnverletzter sowie der Prävention von Schädelhirnverletzungen beschäftigen. Er dient als Anreiz, die Heilungschancen von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zu verbessern. Den Preisträgern eröffnet er die Chance neue Kontakte zu knüpfen, potenzielle Geldgeber für ihre Forschungsprojekte zu finden und sich in der Forschungslandschaft zu profilieren.

Zwei ZNS Doktorandenstipendien

Anlässlich ihres 35-jährigen Gründungsjubiläum im Jahr 2018 hat die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung zwei Doktorandenstipendien auf dem Gebiet der Neurowissenschaften bzw. Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunktthema Schädelhirntrauma ausgeschrieben, die mit je 10.000 Euro ausgestattet sind. Unter den eingereichten Bewerbungen wählte ein medizinisches Gutachtergremium, das sich aus in Praxis und Wissenschaft erfahrenen Koryphäen zusammensetzt, zwei innovative Forschungsansätze aus.

Lisa Neumayr, Doktorandin an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, untersucht im Rahmen ihrer Promotion „Prä- und postoperative Gesichtsfelddefekte bei Kindern mit pharmakorefraktären Epilepsien: Untersuchbarkeit, Prävalenz, Kompensation“ den Einsatz eines neuen Untersuchungsgeräts, ein sogenanntes Kampimeter speziell für Kinder. Mit diesem Gerät kann das Gesichtsfeld überprüft werden. Im Rahmen der Studie erfolgt diese Überprüfung, indem der Untersucher gezielte Blickbewegungen des Kindes als Reaktion auf bestimmte Lichtreize beobachtet. Durch das Gerät werden voraussichtlich Untersuchungen zu Gesichtsfelddefekten schon bei Kleinkindern möglich und können so zu einer frühen Diagnosestellung und Einleitung gezielter rehabilitativer Maßnahmen beitragen.

Bereits vorliegende Laborergebnisse belegen, dass die Genesung nach schwerem Schädelhirntrauma durch den Einsatz von Medikamenten verbessert werden kann. Auf diese Ergebnisse aufbauend, untersucht Rida Rehman, Doktorandin am Neurozentrum der Universität Ulm, wie sich die molekularen Signalwege unmittelbar nach einem akuten Schädelhirntrauma entwickeln bzw. beeinflussen lassen. Diese Signalwege sind wichtig für die Weiterleitung von Informationen in Nervenzellen. In diesem Zusammenhang überprüft Rida Rehman, ob Immunprozesse, wie Entzündungen, auch nach Schädelhirntrauma durch die Gabe von bereits genehmigten Medikamenten gestoppt werden können und wann der beste Zeitpunkt für den Einsatz dieser Medikamente ist. Erste Resultate ihrer Forschungsarbeit haben bereits gezeigt, dass eine Blockierung dieser Signalwege in den ersten drei Stunden nach Schädelhirntrauma die Bewegungsfähigkeit verbessert.

„Ich bin sehr gerne der Einladung der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung gefolgt, schloss Jürgen Dusel die Preisverleihung ab, „denn die Nachsorgekongressreihe in ihrer besonderen Konzeption ist gelebte Inklusion. Das in dieser interdisziplinären Veranstaltung junge Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet werden, die für die anwesenden betroffenen Menschen forschen, hat mich sehr berührt.“

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1. März 2019 |Arzt-Home, Newsticker|